NOVATIZ.ART
Wir widmen Euch unser Leben …
wir widmen Euch unsere Kunst,
welche im höchsten Glück
und in der tiefsten
Traurigkeit erschaffen wurde …
Die Seele enthüllend
Climbers on Mount Rainier
4K Timelapse Video
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Thoria genoss die abendliche Stille. Im Licht des so schönen und doch einsamen Mondes empfand sie ihre Einsamkeit als Befreiung … als schicksalhafte Fügung, als wahrhaftige Chance, ganz sich selbst zu gehören und mit eigenen Gedanken allein zu sein. Und auch wenn dieser Moment so kurz und selten war … so war er doch nicht wegzudenken …


Im sanften Dämmerlicht des Wohnzimmers stand sie vor dem Spiegel und enthüllte ihre Seele. Erinnerungen rauschten wie aufgescheuchte Vögel an ihr vorüber. Thorias Aufmerksamkeit flog in die ferne Kindheit. Man sagte über sie, dass es auf der ganzen Welt kein fröhlicheres Kind gab als sie. Doch je älter sie wurde, desto öfter war eine Spur von Nachdenklichkeit in ihrem Gesicht zu sehen.


Es schien, als existierte Thoria hier bei uns und gleichzeitig irgendwo dort, in ihrer fernen inneren Welt, die sie sorgfältig bewachte und in die sie nur gelegentlich Gäste hineinließ. Diese innere Welt war ein Rätsel für andere. Doch sie war nicht ihre einzige. Es gab drei davon. Thoria trug drei Welten in sich.


Die erste Welt war die Welt der Verbote – alles, was ihr im Leben einst verboten oder untersagt wurde, sei es von ihren Eltern, der Gesellschaft um sie herum oder schließlich von ihr selbst.


Die zweite Welt war das gelebte Leben – das, was für jeden klar und offen auf der Hand lag.


In der dritten Welt existierte alles, wovon sie heimlich träumte und, vielleicht, wonach sich ihre Seele wirklich sehnte.


Wie seltsam … warum durfte das, wovon ihre Seele träumte, nicht offen gelebt werden? Wonach sehnte sich ihre Seele …? Und konnten die Wünsche und der Drang der Seele so falsch sein, dass sie für die äußere Welt um sie herum ein Geheimnis bleiben mussten? Die äußere Welt … was war das für eine? Und konnte diese Welt, die sie um sich herum wahrnahm,ein Maßstab für Richtigkeit sein?


Thoria wurde von Zweifeln überwältigt … hat es einen Nutzen, in einer Gesellschaft voller Heuchelei, List und Lügen ständig nach einstudierten Regeln scheinbarer Tugend zu leben …?


Treue – ist sie nicht eine wunderbare Eigenschaft! Doch wem sollte man treu bleiben … jemandem, der uns selbst des Öfteren verraten hat …?


Gutherzigkeit – und wie soll man seine Gutherzigkeit schützen,

wenn sie habgierig und schamlos ausgenutzt wird …?

 

Hingabe – dadurch, dass man sich selbst den anderen ganz hingibt, dass man sich aufopfert: Bringt man damit viel Wohltun denen, für die man es tut? Fördert man damit nicht vielleicht nur deren Eigenliebe und Eigennutz und die daraus entstehende Unverantwortlichkeit und Gleichgültigkeit …?


Vergebung – und wird ein anderer Mensch lernen, das Böse nicht zu tun, wenn man ihm seine bösen Taten stets vergibt … in der Hoffnung, dass unsere eigene Tugend ihm als gutes Beispiel dient und ihn vor zukünftigen Fehlern bewahrt? Oder wäre es richtig, dem Bösen sofort den Kampf anzusagen, um es davon abzuhalten, sich jemals wieder tief in diese Welt einzugraben …?


Und wer trägt eigentlich mehr Schuld? Derjenige, der Gräueltaten begeht, oder derjenige, der diese Gräueltaten beobachtet, ohne etwas dagegen zu tun? Und ob die Überzeugung – „Das geht mich doch gar nichts an“ – „Ich bin nur ein kleiner Mensch, von mir hängt nichts ab“ – als Rechtfertigung für Gleichgültigkeit gelten würde? Und was ist „das für ein Selbst“ … und was ist „das Gemeinsame“ …?


„Ah … Fragen über Fragen“, dachte Thoria mit leiser Traurigkeit, „doch was kümmert mich die Welt, wenn ich mit mir selbst nicht im Einklang gekommen bin …“

Sie blickte ein letztes Mal auf ihr Spiegelbild, löschte die Kerze und machte einen leichten Schritt in die Dunkelheit. Die Nacht bedeckte ihre Schultern mit ihrem bezaubernden Schleier …

***

Diese junge Frau, welche den Namen des nordischen Gottes Thor trug und ihm ihrem Wesen nach so ähnlich war, existierte hier und jetzt, um sich selbst zu befreien – indem sie die Grenzen ihres Geistes überschritt! Und sogleich stellte sie sich eine Frage, nämlich, ob all die Überzeugungen, die sie bis jetzt in ihrem Verstand und in ihrem Herzen trug und denen sie sich immer treu gehalten hatte, so richtig waren.

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