NOVATIZ.ART
Wir widmen Euch unser Leben …
wir widmen Euch unsere Kunst,
welche im höchsten Glück
und in der tiefsten
Traurigkeit erschaffen wurde …
Wolfshöhle
Climbers on Mount Rainier
4K Timelapse Video
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… Und wieder ein Labyrinth. Lilith blieb stehen. Jeder weitere Schritt bedeutete, noch tiefer in das Labyrinth hineinzugehen, ohne Hoffnung, jemals wieder herausfinden zu können … Plötzlich spürte sie, wie jemand sie von hinten umarmte und ihr Wärme und Zärtlichkeit schenkte. Wer bist du, lieber Mensch, der Retter aus solch einer hoffnungslosen Situation? Lilith drehte sich um und sah ein Monster vor sich! Der Schrecken über das, was sie sah, war so groß, dass sie aus dem Schlaf erwachte! Das Herz klopfte immer noch wegen des beängstigenden Traums – aber wie seltsam: Das Gefühl der Wärme nach der Umarmung blieb bestehen.


Was sollte das bedeuten? Ein solch beunruhigender Traum ausgerechnet vor einem so wichtigen Ereignis. Heute war die Vernissage ihrer Ausstellung.

***

Lilith wurde auf einen jungen Mann aufmerksam, der einen eigenartigen Gang hatte. Er schien es nicht eilig zu haben. Niemals. Als gäbe es in seinem Leben niemanden oder nichts, zu dem er eilen könnte. Und die Traurigkeit in seinem Gesicht … oder in seinem Herzen? Traurigkeit, die sich hinter einer Maske aus Kälte und Gleichgültigkeit verbarg.


Sie näherte sich ihm, lächelte liebevoll und sah interessiert in seine Augen: "Guten Tag. Gefallen Ihnen die Bilder? Oder mehr die Geschichten? Ich bin überaus neugierig, was Sie hierherführte.“


„Das Märchen“, antwortete er kurz.


Noch nie war Lilith einem Menschen begegnet, der vom ersten gesprochenen Wort an eine solche Spur in ihrer Seele hinterlassen hatte. Sie beobachtete durch das Fenster, wohin dieser seltsame Besucher gehen würde, nachdem er die Kunstgalerie verlassen hatte. Er ging durch den gesamten Park und verschwand in einem kleinen alten Haus, das unter drei wunderschönen Eichen stand. War er ihr Nachbar …?!


Wenig später nahm Lilith eine Skizze ihres Lieblings-Märchengemäldes und ging zu ihm. Sie klopfte an die Tür. Stille … Die Tür war nicht verschlossen. „Kann ich hier reinkommen? Ohne zu fragen?“

Undurchdringliche Dunkelheit umgab den Ort, an dem sich Lilith plötzlich befand. Ihre Hände erkundeten die Wände seines Heims, und anhand der kleinen, so seltenen Gegenstände, die sie finden konnte, erlernte sie seine Natur. Das Buch … die Kerze … Was für ein seltsames Gefühl, als wäre es eine Wolfshöhle … Die Gänsehaut lief ihr über den Rücken, und sie beschloss, diesen Ort zu verlassen.

***

Tage vergingen, eine Jahreszeit löste die andere ab. Die Ausstellung näherte sich ihrem Ende. Während dieser Zeit hatte die junge Frau die Gelegenheit, den jungen Mann einige Male zufällig zu treffen. Es waren eigenartige Treffen. Jedes Mal, wenn sie mit ihm sprach, erinnerte sie sich an ihren Besuch in seiner „Wolfshöhle“ und versuchte, in seine Seele zu blicken … tief, sehr tief … dorthin, wo jede Seele ihre eigenen dunklen und geheimnisvollen Keller hat, deren sich der Mensch vielleicht selbst nicht bewusst ist.

Und jedes Mal, wenn er Lilith vor sich hatte, lächelte er entweder lieblich, dem angenehmen Gespräch hingegeben, oder philosophierte ernsthaft, Lebensweisheiten teilend, oder er beobachtete. Ja, er fixierte sie geradezu. Immer!


Und so standen sich nun zwei Seelen einander gegenüber, die durch den Willen des Zufalls für einen kurzen Moment ihres Lebens zusammengebracht wurden und – am Bewusstsein und am expliziten Gespräch vorbei – einander kennenlernten. Eine mystische Kraft, die diesen beiden jungen Menschen bisher unbekannt war, ließ sie weder aneinander vorbeigehen noch einander näherkommen.

Für Lilith war es offensichtlich: Sie sah den Wolf vor sich. Als geborenes Raubtier …?! Oder als einfühlsamer und aufmerksamer Beschützer, als intelligenter Jäger, als weiser Freund …? Wie hätte es sich angefühlt, vom Wolf geliebt zu werden? Immer unberechenbar?

Die Chance, Opfer des Wolfes zu werden, wäre genauso groß wie die Chance, die Leidenschaft und Zärtlichkeit des Wolfes kennenzulernen …?

Und auch der junge Mann verstand es, mit einer unerklärlichen Melancholie im Herzen: Auch wenn diese junge, liebliche Frau wie ein offenes Buch erscheinen mag – sie ist ein Rätsel, das nur gelöst werden könnte, wenn er sein Leben dieser Frau widmen würde … seine Freiheit opfern würde …

***

Der letzte Tag. Alles wurde eingesammelt: persönliche Gegenstände, Ausstellungsstücke, kleine Souvenirs von den Verehrern. Lilith atmete den süßen Duft der Blumen ein, die sie zum Abschied geschenkt bekam, und verließ die Galerie.

Und er? Sollte man von ihm auch Abschied nehmen? Lilith überwand ihre Schüchternheit und machte sich auf den Weg dorthin, von wo sie schon einmal weggelaufen war. Sie hatte das Gefühl, dass sie ihm nicht gleichgültig war. Seine Tür war auch diesmal nicht verschlossen. „Ein Köder in der Höhle eines Raubtiers?“, ein halb spielerischer, halb ernster Gedanke schoss ihr durch den Kopf.


Er hörte ein Klopfen an der Tür und dann leise Schritte in seinem Haus. Wer konnte es wohl sein? Welch ungebetener Gast traute sich hier hinein? Ah – das war die junge Frau, deren Erscheinung ihn am ersten Tage so bezaubert hatte. Nun tastete sie sich hier im Halbdunkel voran. Jeder andere Eindringling wäre nun in größter Gefahr! Sie ahnte nichts … Er verfolgte ihre vorsichtigen Bewegungen, fasziniert. So eine zarte Frau, hier in seinem Heim. War sie allein hierhergekommen? Mutig. Aber mit welcher Absicht? Könnte es sein, dass sie bei ihren Gesprächen am Tag dasselbe fühlte wie er? Dass die Neugier und das Verlangen nach mehr sie hierhertrieben? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden, und es sollten keine Worte sein – dies war nicht der Moment zum Reden. Er war viel feinfühliger, als die Leute ahnten … ein Griff, und er hätte verstanden … Er war jetzt genau hinter ihr, konnte die Wärme ihres Körpers beinahe fühlen.


Lilith sah nur Schatten um sich herum. Ihr Blick blieb an der Wand stehen, an welcher ein großes, altes Gemälde hing. Neugier ließ sie eine Kerze anzünden. Sie erstarrte vor Überraschung. Ein Labyrinth! In diesem Moment ergriff er sie von hinten aus der Dunkelheit … Lilith zuckte zusammen; sie ahnte nicht, dass sie all die Zeit beobachtet worden war.

Eine Welle leichten Schreckens lief über ihren ganzen Körper. Sie verstand es! Die Schlüssel … Sie hatte die Schlüssel zum dunkelsten Keller seiner Seele gefunden …

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