Einst, inmitten der wandernden „Schwarzen Ewigkeit“, begann ein Gespräch zwischen dem gelangweilten Teufelsvater und seinem noch gelangweilteren teuflischen Sohn. Über die Liebe sprach man, denn selbst hier war dieses Gefühl offenbar nicht unbekannt …
Der Teufelsvater gebot seinem Sohn, in andere ferne Welten zu gehen und sich eine Braut zu suchen. Er gab ihm einen Rat mit auf den Weg:
„Unter der Obhut eines Sternes, der strahlt so klar,
Gibt es einen Planeten, die Erde, wunderbar.
Die dort lebenden Menschen sind Schöpfer geboren,
Als Ebenbilder von Gott und Teufel auserkoren!“
Lange zog der Sohn des Teufels über die Erde, auf der Suche nach einer Braut. Viele Schönheiten begegneten ihm, doch in keiner sah er etwas, das in seiner Ewigkeit als schön gelten könnte. Eines Tages, als er bereits daran zweifelte, dem Rat seines Vaters zu folgen, und im Begriff war, die Erde vorzeitig zu verlassen, erblickte er eine junge Frau. Sie kam ihm langsam und verträumt entgegen, schaute mal nach links, mal nach rechts, während das Sonnenlicht liebevoll mit ihrem goldenen Haar spielte und es wie eine lebendige Flamme leuchten ließ. Vom Weg abgekommen und dennoch ihrem eigenen Pfad folgend, lebte sie nach ihrem Glauben, den sie niemals verraten würde. Er stellte sich ihr in den Weg. Sie erschrak nicht … und so gewann sie sein Herz, für immer.
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Die Wahl war getroffen! Die Braut gefunden! Zeit, heimzukehren …?
Doch der Vater hatte den Ort, an den er seinen Sohn geschickt hatte, unterschätzt. Die FREIHEIT, Licht und Dunkelheit zum Ausdruck zu bringen, die dem Menschen gegeben wurde, verführte selbst den Teufelssohn, der bis dahin nur einen einzigen Weg gekannt hatte, Zwietracht und Unheil in die Welt zu bringen. Doch das war ihm auf geheimnisvolle Weise im Zusammensein mit der ganz andersartigen Frau entschwunden. Und so beschloss er, mit seiner Braut auf dieser wunderbaren Erde zu bleiben.
Als Strafe für seinen Sohn, der den dunklen Pfad verlassen hatte, und für die Menschheit, die seinen einzigen Sohn mit ihrer Freiheit verzaubert hatte, sandte der Teufelsvater die Gedankenfänger zur Erde. In schwarzen, nach Tod riechenden Mänteln schlichen die Gedankenfänger umher und zielten darauf ab, die Existenz all jener zu vernichten, die es wagten, allein schon in ihren Gedanken nach Freiheit zu streben! Aber nicht durch Mord. Nein …! Sie nahmen ihnen das Leben auf andere Weise. Wie ein unsichtbarer Schatten, der sich an einen Menschen heftete, verfolgten sie ihn durch Lügen, Unterstellungen und Intrigen, die diesen Menschen zerstörten. Und so verlor man den Ruf, die Arbeit, die Familie …
Glück verwandelte sich in Trauer, und die einst fröhliche Welt wurde zu einem unsichtbaren Gefängnis, in dem zwar niemand offen verfolgt wurde, sich aber auch keiner mehr etwas traute …
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Die Vertreibung der Freiheit aus dieser Welt – eine Ohrfeige des Vaters für seinen Sohn – konnte natürlich dessen eisernen Willen nicht brechen und war nur ein vorübergehendes Hindernis auf dem Weg zum Ersehnten. Doch ein anderes Unglück belastete den Sohn des Teufels. Zum ersten Mal in seinem Leben öffnete er sein Herz für das Schöne und gab sich wahrhaft der Liebe hin …! Aber die Braut glaubte nicht an seine Liebe …
Die stumme Kunst, lange in seine Augen zu blicken, um ihn ohne Worte zu verstehen, wurde für sie zu einem besonderen Ritual. Was sah sie dort? Was fand sie nicht? Sie bewunderte seine Standhaftigkeit und seine Weisheit, obgleich Weisheit ohne Güte nur Wissen bleibt. Sie bewunderte seine Furchtlosigkeit. Ja. Vor allem die Furchtlosigkeit! Es schien, als würde er nicht einmal vor dem Teufel selbst zurückweichen, wenn dieser vor ihm stünde! Diese Furchtlosigkeit verzauberte und ängstigte sie zugleich, doch sie konnte sich diesen fast mystischen Widerspruch nicht erklären. Seine wahre Natur war ihr unbekannt und sollte es für immer bleiben.
Der Teufelssohn, voller Sünde und Dunkelheit, musste, um die Verbundenheit mit der geliebten Braut zu finden, aus sich selbst herausbrechen … die Dunkelheit abstreifen … sich erneuern … zum Licht ohne Schatten werden! Damit das Böse ihn nicht mehr greifen kann. Damit die Braut in seinen Augen nicht mehr das Spiegelbild dieses Bösen zu sehen vermag …
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Und die Welt, die zuerst die Freiheit und dann die Hoffnung verloren hatte, erlosch allmählich. Die Welt brauchte wenigstens einen Menschen mit einem Funken im Herzen, der das Feuer des Lebens tragen konnte. Nur wenn dieser letzte Mensch verschwände, würde die Erde die Chance auf Erneuerung verlieren und endgültig sterben.
Er war der Letzte, der sich an die Freiheit erinnerte. Er wurde der Erste, der es wagte, wieder von Freiheit zu sprechen! Und weder die Gedankenfänger noch die Dämonen konnten ihm etwas anhaben. Er, der sein ganzes Dasein für die Liebe … für den Traum riskierte … wurde zum LICHT OHNE SCHATTEN.
Über den Trümmern der alten, gequälten, aber immer noch lebenden Welt standen Er und Sie. Hand in Hand. Blick in Blick. Über ihnen entfaltete sich die „Himmlische Ewigkeit“ …