Man sagt, es gibt eine Jahreszeit, welche die Natur erneuert … die Natur und vielleicht auch den Menschen.
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Ihre Liebe zueinander glich einer Blume: ein rasches Erblühen, eine üppige Blüte, die der Welt Schönheit und Duft schenkte, und das Verblühen. Das Verblühen …?
Erwartungen, Enttäuschungen, Kränkungen und Vorwürfe – all diese traurigen Erfahrungen der vergangenen Tage lasteten schwer auf ihnen. Es schien, als würden sie jede Regung, jeden hohen Impuls ihrer Seele fesseln. Manchmal kamen sogar Zweifel auf: War diese große Liebe vielleicht nur eine Illusion? Und hatte das alles überhaupt einen Sinn? Wozu einander suchen, finden, sich verlieben, nur um eines Tages bitter enttäuscht zu werden und sich zu trennen? Wo liegt der Fehler? Vielleicht in einem Gesetz der Schöpfung selbst …? Jenem Gesetz, das einer schönen Blume Leben schenkt und sie zugleich unaufhaltsam ihrem unvermeidlichen Verfall entgegentreibt … irgendwann …
Kann eine Blume ewig leben? Und ewig lieben?
Wie die müde Natur unter dem sanften Schnee zur Ruhe kommt, um sich zu erneuern und im Frühling zu neuem Leben zu erwachen, so versuchten auch diese beiden liebenden Herzen, für einen Moment die Zeit unter der Leichtigkeit und dem Zauber der fallenden Schneeflocken anzuhalten … um Zurückgezogenheit, Ruhe, Reinheit der Gedanken und neue Hoffnung zu gewinnen.
Sie hatten sich noch nie zuvor unter fallendem Schnee geküsst. Der Winter war da …