Auf einer Waldlichtung in der Nähe eines Lagerfeuers stand eine junge Frau. Ihr langes, goldfeuriges Haar umrahmte ihr liebliches, zartes Gesicht und fiel in sanften Wellen herab. Sie trug ein ungewöhnliches Kleid. Und es war schwer zu erkennen: Entweder spiegelte ihr Kleid das Licht des Feuers wider und strahlte daher eine Art Glanz aus, oder das Gewand selbst war aus dem Feuer.
Ein junger Mann, der sich im Wald verirrt hatte und zufällig auf diese Lichtung stieß, seufzte erleichtert. Sein einsames und so langes Wandern war beendet. Er sprach die Unbekannte freundlich an: „Sei gegrüßt, Schönheit. Ich wusste nicht, dass es auf dieser Erde noch Orte gibt, an denen man einem Märchen begegnen kann“.
„Ich grüße dich“, antwortete das Mädchen ruhig, „man kommt aus einem Grund hierher …“
Fasziniert von der Schönheit der jungen Frau vergaß er sofort alle Sorgen, die noch vor kurzem seinen Weg so sehr überschattet hatten, und gönnte sich ein Wortspiel: „Was machst du mit dem Feuer? Tanzt du mit ihm? Dann nimm doch mich als deinen Partner!“
„Hast du keine Angst, dich zu verbrennen, Junge?“, erwiderte die Waldschönheit mit einem Lächeln.
„Aber du kennst doch die alte Weisheit, dass ein Mensch, rückblickend auf sein Leben, am meisten das bereut, was er nicht gewagt hat, obwohl er gerade davon so stark geträumt hat. Versuchen und verbrennen – das wäre nicht die schlechteste Option“, fuhr der Waldgast begeistert fort.
„Sieh mal. Ich habe dich gewarnt“, sagte sie leise … zögerte … und sprach dann mit verändertem Blick: „Gib mir deine Hand!“
Die Wildheit und Verspieltheit ihrer grünen Augen überraschte ihn so sehr und erschreckte ihn sogar ein wenig, dass er sich losreißen wollte. Aber nach seiner Meinung wurde nicht mehr gefragt. Das Feuer floss sanft von ihrem Kleid auf seine Hand … auf seine Brust, in sein Herz eindringend … und dann umhüllte es ihn ganz.
Die Flamme ringsum … die Flamme ging über in sein ganzes Wesen! Die Flamme, die wärmte, aber nicht brannte … noch nicht … denn das war erst der Anfang.
Sie tanzten … Wie lange? Er erinnerte sich nicht. Doch irgendwann erwachte er aus dem Tanz und sagte, er müsse gehen. Und er ging.
Die Mühen des Alltags kehrten wieder in sein Leben zurück. Als ob diese Begegnung im Wald nie wirklich stattgefunden hätte … Als wäre es nur ein wunderbarer Traum gewesen … Doch eines lässt sich nicht bestreiten: Wer jemals mit dem WAHREN FEUER getanzt hat und seine Zärtlichkeit und Leidenschaft gekannt hat, wird nie mehr so leben können wie zuvor.
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Und so stand er wieder am Lagerfeuer. Aber für Spiele war kein Platz mehr … nur noch die harte Gegenwart: „Was muss ich tun, um alles zu vergessen? Zu viel Feuer! Es verbrennt mich! Und ich will es wie früher. Du kennst die Antwort. Sag es!“
Sie schwieg lange Zeit. Und ihr Schweigen verlieh diesem Moment besondere Bedeutung. Dann berührte sie sanft seine Schulter, blickte in seine schönen Augen und sagte vorsichtig, jedes Wort erwägend: „Als du zum ersten Mal hierherkamst, habe ich in Dir einen großen Träumer und einen noblen Krieger erkannt, der vergaß, dass er ein Krieger war, und nur ein Träumer blieb … Die Zärtlichkeit des Feuers, die du hier einmal kennengelernt hast, wird dir wunderschöne Träume schenken, für die es Sinn macht zu leben. Und die Leidenschaft des Feuers wird dir die Kraft geben, diese Träume wahr werden zu lassen. Wenn du aber über den Tanz mit dem Feuer vergessen willst, dann wird das Feuer dich von innen verbrennen, wie einen, der für diese Welt nutzlos ist … wie einen Menschen, der seinen wahren Weg verlassen hat. Verzeih mir! Ich habe Macht über die Naturkraft, aber ich habe keine Macht über das Schicksal eines anderen Menschen …“
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Sie schaute ihm aufmerksam hinterher. In ihrem Blick war ihre letzte Botschaft an ihn zu lesen: „Ich kann dir nur helfen, diesen Weg zu gehen.“ Ohne Enttäuschung und Vorwurf, nur mit der Hoffnung: dass dieser MENSCH sich auf seinem Lebensweg nicht verliert.
Und er trug die Leidenschaft des Feuers und die Zärtlichkeit der grünen Augen in seinem Herzen … und wusste doch nicht, was er damit anfangen sollte …